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Pornographie, Viren & Gewalt

Schattenseiten des mobilen Booms: Läuft das Smartphone Gefahr, kriminalisiert zu werden?

Herzchen, Urlaubsvideos und freundliche Grüße an die Großmutter: Solche Botschaften sind nur selten der Grund, warum sich auf Deutschlands Pausenhöfen ganze Teenager-Rudel zusammenraufen, johlen, kichern und plötzlich wieder verstummen. Alles blickt auf ein kleines Display. Oft mit geringer Auflösung. Die Qualität des Gezeigten ist schlecht, doch man kann erahnen, was dargestellt wird.

In der Regel handelt es sich um Gewaltvideos, die einige Sekunden lang extrem brutale Handlungen darstellen. Prügeleien, Erschießungen oder Enthauptungen – es ist die Mischung aus Schock und Ekel; das Überschreiten einer Grenze, die da in wenige Megabyte komprimiert auf dem Handy lagert. "Natürlich hab ich schon solche Videos gesehen und verschickt", sagt Tomaz K.* (16) von der Werner-von-Siemens-Hauptschule in Bochum. Fast ist es, als könnten die Schüler solche Dinge nicht ablehnen, als verlange ein geheimer Kodex das Mitmachen. Wer es nicht tut, gilt als Weichei: "Das machen doch alle hier bei uns."

Herkunft ungeklärt

Wo die Videos herkommen, ist meist unklar. Ähnlich wie PC-Kettenbriefe werden die Geschmacklosigkeiten per Infrarot, Bluetooth oder MMS von Handy zu Handy versendet. Auch deren Entstehung bleibt zumeist ungewiss. Ein Großteil stammt von amerikanischen GIs, die im Irakkrieg ebenfalls immer öfter ihr Handy benutzen, um den Alltag zu dokumentieren.

Happy Slapping mit Todesfolge



Zu Tode geprügelt

Einer der bisher schwersten Fälle des Happy Slapping ereignete sich am 30. Oktober 2004 in London. Dort zog eine vierköpfige Jugendgang los, um wahllos Opfer zu verprügeln. Eines davon ist der 37-jährige Barkeeper David Morley, der mit einem Freund auf einer Parkbank sitzt. Die Gang stößt die beiden Männer zu Boden und tritt brutal auf sie ein. 44 Schlagverletzungen, eine gerissene Milz und fünf gebrochene Rippen diagnostiziert man später. Im Gegensatz zu seinem Freund überlebt Morley den Angriff nicht. Die Täter sind zwischen 14 und 18 Jahre alt. Sie filmen die Tat mit ihren Handys. In der späteren Verhandlung werden sie zu Haftstrafen zwischen vier und acht Jahren verurteilt.

Dass es dabei zu grausamen Szenen kommt, überrascht nicht. Diese Videos sind Selbstläufer, die sich in ihrer Härte ständig steigern. Unter Jugendlichen hat sich längst ein multimedialer Wettkampf entwickelt: Wer toppt die Aufnahmen von gestern? Wer den ausgefallensten Stoff präsentiert, genießt die höchste Anerkennung. Doch die Spitze dieser Hierarchie erklimmt man erst, indem man solche Videos selbst dreht. Durch die einfache Bedienung von Handykameras, die günstigen Preisen und die Leistungsfähigkeit kann alles dokumentiert werden. Die Mini-Filmausrüstung ist binnen Sekunden einsatzbereit. Auf die Frage, ob den Tomaz schon einmal selbst geprügelt und gefilmt hat, reagiert er leicht verlegen, grinst und lässt sich von seinen beiden Kumpeln in bester HipHop-Manier huldigen.

Der Ursprung dieses Trends liegt in London. Britische Pädagogen vermuten die Inspiration des so genannten "Happy Slapping" (Lustiges Prügeln) in Filmen wie Jackass. Das ursprünglich als MTV-Sendung erdachte Konzept zeigt junge Männer, die sich selbst durch verrückte Stunts Schmerzen zufügen und alles filmen. In späteren Folgen wurden vermehrt Passanten in die Aktionen der Jackass-Crew einbezogen. Zu Schaden kamen diese eher selten. Anders dann 2004 in der britischen Hauptstadt. Dort schnappten sich Kids ihr videotaugliches Handy und stellten Schlägereien nach, um diese dann aufzunehmen. Die weitere Entwicklung war abzusehen. Bald kam der erste Beteiligte dabei zu Schaden und schnell fanden die "Happy Slapper" Spaß daran, Dritte einzubeziehen. Erste Videos zeigten Jugendliche, die mit Rädern an Fußgängern vorüber fuhren und ihnen mit der flachen Hand auf den Hinterkopf schlugen. Ein Zweiter filmte diese Aktionen mit dem Handy.

Bum Fight

Statt solche Straftaten zu verurteilen, erfreuten sich die Sekundenfilme große Beliebtheit. Per Handy und Internet verbreiteten sich die Filme und Google wies ein hohes Ranking für den Begriff "Happy Slapping" aus. Die aufgenommenen Videos wurden indes immer brutaler. Um mit der eigenen Produktion Erfolg zu haben, mussten immer wieder Grenzen überschritten werden. In den USA hieß die Antwort auf "Happy Slapping" "Bum Fighting". Mit gezücktem Handy wurden alkoholabhängigen Landstreichern hochprozentige Spirituosen versprochen, wenn sich die Obdachlosen darum prügelten. Die Alkoholsucht der Männer und Frauen produzierte knallharte Kämpfe, die meist einen stark blutenden Gewinner zurückließen. Der Kick dabei: Das Gezeigte ist real.

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Pornographie: ein weites Feld



Unter 16 geht gar nichts. Eigentlich...

In Deutschland wird der Begriff "Pornographie" dreistufig klassifiziert. So genannte Erotik, auch gerne "Softporno" genannt, ist generell straffrei und darf Minderjährigen ab 16 Jahren zugänglich gemacht werden. Dabei muss auf die Sichtbarkeit der Geschlechtsorgane beim Akt verzichtet werden. Klassische Pornographie, die laut Definition das Ziel hat, den Konsumenten zu erregen und explizit die Geschlechtsorgane zeigt, ist in Deutschland automatisch indiziert, aber ab 18 Jahren straffrei zugänglich.

Die Verbreitung  von so genannter harter Pornographie, etwa Vergewaltigungen und Handlungen mit Tieren, ist strafbar. Der Besitz hingegen nicht. Einen Sonderfall nimmt seit 1993 der pädophile Porno ein. Seither ist auch der Besitz von Medien, die den tatsächlichen Missbrauch von Personen unter 14 Jahren zeigen, strafbar.

Doch es wird auf den Schulhöfen nicht nur Gewalt getauscht. Auch zwei weitere jugendgefährdende Inhalte werden immer häufiger auf den Mobiltelefonen Minderjähriger gefunden. Es handelt sich dabei um verfassungsfeindliche und pornographische Dateien. Die Darstellung von Hakenkreuzen und Sprachaufnahmen diverser Nazigrößen sind allerdings das geringere Problem. Im pornographischen Bereich schockieren die 16-jährigen längst keine Videos zwischen Mann und Frau mehr, beliebter sind reale Vergewaltigungen oder Sodomie, der Sex mit Tieren. Ignoriert wird: Die Verbreitung pornografischer Schriften, die sexuelle Handlungen von Menschen mit Tieren zum Gegenstand haben, ist nach §184a StGB strafbar. Der Besitz hingegen erlaubt, allerdings nicht bei Minderjährigen, zumal diese jene Videos zusätzlich vervielfältigen. Neben dem Aspekt des Jugendschutzes kommt also noch ein Straftatbestand hinzu.

Harte Strafen

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Was als Schülergag gedacht war, wurde so zum Fall für Polizei und Staatsanwalt. Im bayrischen Immenstadt wurden nach Hinweisen schon vor Jahren 200 Schülerhandys konfisziert. 17 der sichergestellten Mobiltelefone enthielten Gewalt-, Porno-, und Sodomie-Szenen, die nach §184a StGB strafbar waren. Keine Einzelfälle also. Auch im hessischen Butzbach wurden Minderjährige dabei ertappt, wie sie die reale Enthauptung eines russischen Soldaten durch Tschetschenen tauschten. In sozialen Brennpunkten wie Berlin schrecken Schüler nicht davor zurück, eigene Pornovideos mit Mitschülern zu drehen. So wurde von der Berliner Polizei ein Video sichergestellt, in dem männliche Jugendliche ein junges Mädchen in der S-Bahn zwangen, für ihre Handy-Kameras zu masturbieren.

Solche Vorfälle sind es, die Politiker, Pädagogen, Jugendschützer und Polizei diskutieren lassen, wie man diese Entwicklung stoppen kann. Längst zählen die Multimediainhalte zum Überbegriff "Jugendgewalt". Ein Handy-Verbot an allen Schulen, wie es der CSU-Generalsekretär Markus Söder einmal in den Medien forderte, ist umstritten. "Solche Multimedia-Handys sollten, wie Alkohol und Zigaretten, nicht mehr an Minderjährige verkauft werden", so Söder. In eine ähnliche Richtung tendiert auch T-Mobile. "Wir stehen nachdrücklich zu unserer Verantwortung für den Kinder- und Jugendschutz", betont Philipp Humm, Sprecher der Geschäftsführung und Geschäftsführer Vertrieb T-Mobile Deutschland. "Wo immer uns das möglich ist, helfen wir Eltern und Erziehungsverantwortlichen beim Schutz ihrer Kinder vor Gewaltvideos auf den Handys."

Humm weist aber gleichzeitig darauf hin, dass weder Lehrer noch die Mobilfunkindustrie die wohl bedeutungsvollste Komponente übernehmen können: "Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist aus unserer Sicht das vertrauensvolle Gespräch zwischen Eltern und Kindern über Medien, Medieninhalte und ihre Wirkung. Eltern sollten wissen, wozu ihre Kinder die Handys nutzen und sie über schädliche Inhalte aufklären." T-Mobile rät Eltern, deren Kindern solche Inhalte angeboten werden, Kontakt mit der Schule und der Polizei aufzunehmen. Das Problem dabei ist, dass Eltern, nach den Lehrern, meist zuletzt erfahren, was ihr Nachwuchs so treibt. Falls sich die Eltern der auffälligen Jugendlichen überhaupt darum kümmern, was ihr Kind multimedial tut, sind sie von der Technik hoffnungslos überfordert.

Hilfe von T-Mobile



Kostenlose Hotline hilft Eltern weiter

Presse- und Fernsehberichte über Videos und Bilder mit brutalen, teilweise illegalen Inhalten auf den Handys von Kindern und Jugendlichen verunsichern derzeit viele Eltern und Erzieher. Große Sorgen bereitet insbesondere die geradezu spielerische Weiterverbreitung solcher Gewaltbilder mit Hilfe moderner Übertragungstechniken. T-Mobile unterstützt Eltern beim Schutz ihrer Kinder vor Gewaltvideos auf dem Handy mit gezielter persönlicher Information, praktischen Tipps und Empfehlungen. So hat Deutschlands führendes Mobilfunkunternehmen eine kostenlose Hotline eingerichtet: Unter 0800 33 88 77 6 können Eltern täglich von 8 bis 20 Uhr erfahren, wo auf den Handys ihrer Kinder Gewaltvideos gespeichert sein könnten und wie sich der unerwünschte Empfang deaktivieren lässt.

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Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft hält ebenfalls wenig von Verboten in der Schule. Wie etwa Ute Erdsiek-Rave (SPD), Vorsitzende der Kultusministerkonferenz der Länder: "Die Lehrer sind keine Polizisten. Wer sollte tagtäglich hunderte von Schülern auf die Achtung der Verbote kontrollieren?" Zum anderen würde sich das Problem nur verlagern. Indes geben Forscher zu bedenken, dass Jugendliche zu keinem Zeitpunkt nur "Fußballbildchen" getauscht haben. Doch mit dem Internet und den Multimediahandys seien zwei Plattformen auf den Markt gekommen, die mehr oder weniger unmöglich zu kontrollieren seien. Man wird sich über kurz oder lang wieder mehr mit Werten, Erziehung und sozialen Perspektiven auseinandersetzen müssen, statt den technischen Fortschritt zu verdammen.

Handy-Viren – ein weiteres Problem

Noch immer gelten Handys als relativ sicher. Oftmals werden fehlerhafte Handys als "von Viren befallen" bezeichnet. Der erste wirkliche Wurm, der vor allem Symbian-Handys befiel, war "Cabir". Dieser schaffte es sogar in die Virendefinitionen der Antivirenprogramm-Hersteller. Der Wurm verbreitete sich via Bluetooth und wurde von jedem infizierten Gerät an andere Bluetooth-Mobiltelefone der Series-60-Plattform weitergegeben. Das Programm ging als „caribe.sis” im Posteingang des Handys ein und musste durch den Benutzer am Handy manuell installiert werden. Diese Tarnung als normale Anwendung legt aber eher eine Kategorisierung als Trojaner nahe. Durch den intensiven Austausch von Multimediadateien und die vermehrte Online-Nutzung sind moderne Smartphones allerdings längst wesentlich attraktiver für Schädlinge aller Art geworden und eine gute Anti-Viren-App sollte immer installiert sein.



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