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Handy-TV: Vergangenheit und Zukunft

Sportliche Großereignisse und die Tagesschau am Baggersee – das Fernsehen auf dem Handy blickt auf eine bewegte Geschichte zurück!

Da kann man schon ein schlechtes Gewissen bekommen: Knapp vier Stunden soll der Durchschnittsdeutsche täglich vor dem Fernseher zubringen. Diese Tatsache, die tatsächlich auf mehreren seriösen und Jahr für Jahr in unserer Republik wiederholten Umfragen basiert, wird zudem sehr bald nach oben revidiert werden müssen. Eigentlich sollte sie schon 2006 ihre Gültigkeit verlieren, denn da wurde dem Handynutzer zum ersten Mal vollmundig der Start des mobilen TVs versprochen. Dann nämlich sollte von Garmisch bis Flensburg auf Handys die Tagesschau auch am Baggersee geguckt werden können. Daraus wurde nichts, obwohl doch die Fußball-WM 2006 der große Durchbruch des „Handy-TVs“ werden sollte.

Eine weitere Umfrage besagt allerdings, dass sich schon damals nur zehn Prozent der Männer für diese Möglichkeit des Fernsehens interessieren würden. Von 100 Frauen sollen sogar nur 5,3 daran interessiert gewesen sein. Dieses Ergebnis resultiert wohl auch aus dem vehementen Streit zwischen den beiden Standards DMB (Digital Media Broadcast) und DVB-H (Digital Video Broadcasting - Handhelds), die eine gezielte Werbeoffensive für das „Handy-TV“ unmöglich machten. Denn wenn zwei sich streiten, wartet der Endkunde – so war es schon immer. Während Berufspendler in Südkorea fleißig Serien und Nachrichten per DMB konsumierten, starteten hierzulande etliche Testsendungen für ausgewählte Probanten, doch das bekam kaum jemand mit, geschweige denn, dass es etwas brachte. Während UMTS als zu teuer empfunden wurde, verwirrten DMB und DVB-H den potentiellen Nutzer nur.

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DVB-H vs. DMB



Der bessere Verlierer hat gewonnen

Dieser Kampf ist längst entschieden – und er kennt gleich zwei Verlierer. Doch hatte ihn ursprünglich der Bessere gewonnen? Die Antwort lautet ja. Hätte DMB das Rennen gemacht, würde im wenig genutzten L-Band gesendet werden. DVB-H überträgt, wie das terrestrische Fernsehen, im UHF-Bereich. Im Vergleich nutzt DVB-H somit die vorhandenen Frequenzen besser aus: Mit DVB-H können auf einem klassischen DVB-T Kanal, der eine Bandbreite von bis zu 9 Megabit pro Sekunde bietet, bis zu 25 TV-Sender übertragen werden. Mit DMB sind es dagegen auf einem DAB-Kanal (Digital Audio Broadcasting) nur drei bis vier. Vereinfacht gesagt, setzt DMB auf Hörfunkbandbreiten, die natürlich schmaler ausfallen als jene, die für Video und Audio konzipiert wurden.

Brüssel musste es entscheiden

Das Chaos, das Berufshysteriker Bruce Darnell wohl „eine Handy-Drama“ genannt hätte, war auf dem Papier zum Jahreswechsel 2007/2008 vorbei. Endlich stand aufgrund eines Machtwortes aus Brüssel fest, dass DVB-H der europäische Standard werden sollte und ein Joint Venture zwischen der MFD Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH und der NEVA Media GmbH den Auftrag hat, eine Plattform für mobiles TV in Deutschland aufzubauen. Das „Mobile 3.0“ getaufte Gemeinschaftsunternehmen verfügt über die volle Unterstützung der Medienkonzerne Hubert Burda Media und Georg von Holtzbrinck, die an NEVA Media beteiligt sind, sowie des international tätigen Medien- und Technologiekonzerns Naspers, der wiederum größter Gesellschafter der MFD Mobiles Fernsehen Deutschland ist. Was bedeutet das für den Endkunden? Zum einen, dass der Markt für zukünftiges Handy-TV etwas offener wird, denn die alteingesessenen Player O2, T-Mobile und Vodafone, die ihrerseits ebenfalls einen Zusammenschluss wagten, zogen den Kürzeren. Zum anderen aber gibt es nun einen weiteren Marktteilnehmer im ohnehin schon sehr gefüllten Mobilfunkgeschäft.

Eines ist klar: Mobile 3.0 wird mobiles TV nicht zu wohltätigen Zwecken zur Verfügung stellen. Flugs wurde angekündigt, Handy-TV als Flatrate-Angebot anzubieten. Leider wurde es auch zur EM 2008 nichts dem flächendeckenden Handy-TV. Einzig in Hamburg, München, Hannover und Frankfurt war DVB-H-Empfang zur EM möglich. Mobile 3.0 weist darauf hin, dass der Netzausbau über einen längeren Zeitraum erfolgen wird. Doch auch wenn die EM nicht flächendeckend per DVB-H übertragen wurde, war zu diesem Zeitpunkt längst klar, dass mobiles TV technisch auch in Deutschland problemlos funktioniert. Während der Fußballweltmeisterschaft 2006 ging das erste DVB-H-Testprojekt an den Start. In den Städten Berlin, Hamburg, Hannover und München war DVB-H zu empfangen. Schon damals waren 14 TV- und sechs Radiosender im Boot.

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Vorreiter aus Asien



Ganz selbstverständlich: Handy-TV im Alltag

In Südkorea gehört mobiler TV-Empfang bereits seit Mai 2005 zum Alltag. Zu diesem Zeitpunkt wurde Handy-TV per DMB eingeführt. Das Interesse an diesem Dienst stieg in der Bevölkerung stetig. Schon 2008 besaßen rund zwölf Millionen Südkoreaner ein empfangsbereites Endgerät. Etwa zehn Millionen Nutzer nutzten terrestrisch übertragenes und per Satellit empfangbares mobiles TV. Auch in Japan und anderen industrialisierten Asia-Regionen, kommt mobiles TV sehr gut an. Der Grund dafür ist die große Zahl an Berufspendlern, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen und somit auch die Zeit und das Bedürfnis haben, dieses Angebot zu nutzen.

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DVB-T: eine echte Alternative?

Ebenfalls vor der EM 2008 konterten andere Hersteller mit einer Idee, die so simpel wie genial ist. Mit dem LG HB620T attackierten ausgerechnet die Südkoreaner, die einst versuchten, den DMB-Standard auch in Europa zu etablieren, die europäischen DVB-H-Bestrebungen per DVB-T-Gerät. Und das nicht einmal schlecht. Das Handy war zwar technisch wenig spektakulär, doch es hatte an der Seite eine kleine Antenne, die es das kostenlose „Überallfernsehen“ DVB-T empfangen lässt. Der Begriff „Überallfernsehen“ ist dennoch nicht richtig. Zwar war DVB-T im Vergleich zu DVB-H zu diesem Zeitpunkt schon deutlich verbreiteter, aber ganz Deutschland war ebenfalls nicht abgedeckt. In Ballungsräumen funktionierte der Empfang allerdings problemlos.

Brauchten wir denn eigentlich DVB-H, wenn es doch problemlos und vor allem kostenfrei möglich ist, DVB-T per Handy zu empfangen? Mobile 3.0 meinte ja, doch dieser Beweis musste erst noch erbracht werden. Das Joint Venture kündigte DVB-H-Flatrates für fünf bis zehn Euro an. Ein spezielles Bundesligapaket sollte zusätzliche Kosten verursachen. DVB-H ist, was Qualität und Empfangsleitung angeht, theoretisch im Vorteil. Ein DVB-T-Problem ist beispielsweise, dass der Empfang leicht gestört werden kann. Etwa, wenn sich das Empfangsgerät schnell bewegt. Das kann in Zügen oder im Auto passieren. DVB-H wollte dieses Problem auflösen, da es sich um einen Standard handelt, der speziell für einen solchen Einsatz geschaffen wurde.

Ein weiterer Punkt ist der Stromverbrauch. DVB-T-Geräte zeigen sich etwas energiehungriger als ihre DVB-H-Pendants. Zudem wurde versprochen, dass für DVB-H neue Inhalte hinzukommen sollten, die die Sender speziell für diese Empfangsart zur Verfügung stellen. DVB-H sollte also eine Programmevolution bedeuten, während DVB-T lediglich das Altbekannte zeigt. Die Frage war allerdings, ob der Kunde diese Angebote möchte und dafür zusätzlich abgerechnet werden will. Mobile 3.0 plante, DVB-H zudem für weitere, mobile Endgeräte anzubieten. Navigationsgeräte gehören ebenso dazu wie Sonys PlayStation Portable oder der Nintendo DS. Viele dieser Geräte hätten aber noch zusätzlich nachgerüstet werden müssen.

UMTS? Gescheitert… eigentlich!

Wer über Alternativen zu DVB-H informiert möchte, darf das Thema UMTS nicht ausklammern. Das „Universal Mobile Telecommunications System“ hat die Mobilfunkkonzerne viel Geld gekostet und ganze Landtage saniert. Dennoch ist die Verbreitung des Standards derzeit noch immer nicht so, dass die Kosten je wieder eingespielt würden. Für wirkliches, mobiles TV ist UMTS nicht geeignet. Der Grund dafür liegt in der UMTS-Sendetechnik. Ähnlich wie bei einem heimischen WLAN-Netzwerk baut der Empfänger eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung mit dem Sender auf.

Im Falle des UMTS-Handy ist das der Sendemast. Kommunizieren mehrere Handys mit einem Sendemast, kann es zu Empfangsstörungen kommen, die sich dann in einer niedrigeren Download- bzw. Uploadrate äußern. DVB-T und DVB-H hingegen basieren auf klassischen Rundfunkmethoden und versorgen beliebig viele Empfänger mit gleicher Leistung. Von daher hat sich TV per UMTS nie wirklich durchsetzen können. Derzeitige UMTS-Angebot konzentrieren sich demnach meist auf Streaming-Inhalte oder Downloads, die individuell angefordert werden müssen.

Pionier Italien



Stark gestartet, hart gelandet...

In Italien ist mobiles TV per UMTS und DVB-H sehr beliebt. Schon seit Einführung von UMTS sind die Italiener begeisterte mobile Downloader. DVB-H startete in Italien zur WM 2006. Dabei handelte es sich nicht wie in Deutschland um einen Testbetrieb, sondern um ein überschaubares, kommerzielles Angebot. Der italienische Mobilfunkbetreiber Tre startete auch gleichzeitig den weltweit ersten kommerziellen DVB-H-Betrieb. Der fand in Zusammenarbeit mit den TV-Anbietern RAI, Mediaset und Sky Italia statt. Das Projekt lief unter der Bezeichnung „Walk TV“ mit insgesamt 13 Sendern und strahlte gleich die komplette Fußball-WM in Deutschland sowie alle Spiele der folgenden Saison der italienischen Serie A aus.

Der Start glückte. Dabei war das Angebot alles andere als günstig. Bei einer Nutzungsdauer von 24 Stunden waren drei Euro fällig. Eine Woche kostete den mobilen Tifoso zwölf Euro. Wer das Angebot einen Monat lang nutzte, wurde um 29 Euro erleichtert. Allerdings sind auch hier die Zahlen im Vergleich zu Südkorea ernüchternd. Lediglich ein Prozent aller italienischen Handynutzer entschied sich für mobiles TV. Neben Italien war auch Finnland im DVB-H-Ausbau recht weit, mittlerweile ist der Dienst in vielen europäischen Ländern eingestellt. Auch in Deutschland fand eine Neuausschreibung der Lizenzen wegen mangelnder Nachfrage nicht statt.

Wie schlecht MobileTV per UMTS im Gegensatz zu DVB-H funktioniert, konnten etliche, frustresistente Vodafone-Kunden schon zur WM 2006 feststellen. Da bot man TV per UMTS als DVB-H-Alternative an. Doch nur wenige derer, die dieses Angebot annahmen, konnten ein übertragenes Spiel komplett schauen. Schon bei wenigen Nutzern, die sich eine Funkzelle teilten, unterbrach der Stream ständig. Bei Liveaufnahmen sehr ärgerlich. In der Folgezeit lag, laut Studie des Marktforschungsinstituts MMetrics, die Zahl der Kündigungen für mobiles UMTS-TV höher als die Neukundenzahl.

Dennoch boten auch in 2013 die TelCo-Riesen Telekom und Vodafone UMTS-realisierte Handy-TV-Angebote mit jeweils 20 bzw. 22 Sendern an. Zur Auswahl standen Einzelabrufe, tägliche, wöchentliche oder monatliche Taktung sowie Extraoptionen wie Fußball- und Erotikpakete. Allerdings gilt nach wie vor, dass mit der Zahl der Nutzer auch die Gefahr einer Netzüberlastung wächst. In einer so überlasteten Funkzelle kann der TV-Empfang gestört sein oder sogar ganz ausfallen. Abhilfe könnte zukünftig der UMTS-Folgestandard LTE bringen, der zudem neue TV-Übertragungsverfahren mitbringt.

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TV per WLAN

Kurz vor dem DVB-H-Start wollte zudem ein weiterer Spieler mitmischen. Der US-amerikanische Hersteller Packet Video präsentierte auf dem World Mobile Congress in Barcelona eine ganz neue Möglichkeit, TV-Programme mobil empfangen zu können. Die Kalifornier sahen vor allem in Europa noch das Problem, dass es verhältnismäßig wenige DVB-H-bereite Handys gab. WLAN-fähig hingegen waren viele. Packet Videos „Telly“ war ein mobiler Rundfunkempfänger, der DVB-H-Signale, MediaFlo, UMTS-fähige Streaming-Lösungen und sogar WiMAX empfing und umwandelte. So würde jedes WLAN-Handy auch gleichzeitig zum wirklichen TV-Handy werden. Das Gerät war etwa halb so groß wie das erste iPhone.

Auch wenn von Telly längst nichts mehr zu hören ist, hat sich der TV-Empfang via WLAN auf Smartphones letztendlich durchgesetzt. Die meisten User sehen Filme, Serien und Nachrichten ganz einfach per Web-Stream über ihren Internetzugang. Ob zukünftige Standards wie DVB-SH, das „Handy-TV aus dem Weltall“, sich hiergegen durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Die Hybridtechnik kombiniert Satellitentechnik und terrestrische Sendemasten, bietet eine schnelle Fehlerkorrektur – aber eben auch hohe Kosten. Und genau an denen sind schon ganz andere Großprojekte gescheitert.

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